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Veilchen
Veilchen kommen jetzt in Scharen
wanderlustig, froh vereint,
duftig, wie in all den Jahren,
wenn im März die Sonne scheint.
Eines wähl ich aus zum Pressen.
Möchte sehen, wie es glückt?
Doch nun hab ich unterdessen
längst ein Mädchen “tot” gedrückt.
Mistel
Unter Mistelzweigen
will das Jahr sich neigen
seinem Ende zu.
Alle Blütenstunden
gehen zeitentbunden
wie ein Traum zur Ruh.
Doch die Blättchen fächeln
noch ein letztes Lächeln
um das Beerenweiß.
Und die Jahreswende
überbrücken Hände
oder Küsse, leis.
Glockenblumen
Durch unser Leben geht
ein stetes Hoffen,
und jede Knospe fleht:
Wär ich doch offen.
Kaum ist ihr Wunsch erfüllt,
im Licht gelungen,
die nächste Knospe schwillt,
bis sie gesprungen.
Solang mein Herz noch schlägt,
die Glocken künden,
was mich im Traum bewegt,
um dich zu finden.
Seerosen
Der Sommer kommt wieder.
Ja, glaub nur daran.
Dann stimmen wir Lieder
voll Fröhlichkeit an,
daß Lerchen und Finken
selbst fallen mit ein
und Wolken uns winken.
So schön wird es sein.
Dann duften die Felder,
Lupinen und Heu.
Es flüstern die Wälder
verlockend und scheu.
Es blicken die Seen
voll Rosen uns an. -
Ich werde vergehen
vor Sehnsucht alsdann,
kämst du nicht wie immer
frohlockend zur Zeit
und trügst einen Schimmer
der Sonne im Kleid.
Huflattich
Hurra, der Huflattich ist da,
der Lerchensporn als zweiter.
Dann Seidelbast, Forsythia
und Bienen drauf als Reiter.
Der Gundermann folgt bald darauf
und Brennesseln, ganz kleine.
So nimmt der Frühling seinen Lauf
am Weg- und Grabenraine.
Der Klee verstreut ein neues Glück.
Die ersten Lämmer kommen.
Ja, auch die Schwalben sind zurück.
Hab’s Zwitschern grad vernommen.
Pfeif selbst ein Liedchen vor mich hin.
Ist das ein Maienmorgen!
Möcht mich verschenken, wie ich bin
und alle Lust mir borgen.
Weidenrös’chen
Alles ist Wunsch um dich:
Tief und so offen
gibst du dein Hoffen
den Blüten zur Glut.
Schließt in der Höhe dich
knospenversonnen. -
Schlummernde Wonnen
in deinem Blut.
Tulpen
An einem Sonntag konnte ich es sehen:
Es schloß euch langsam auf das Morgenlicht.
Ihr wart erfüllt, geborgen im Geschehen,
von einer Kraft, die aus der Ruhe bricht.
Es war die dunkle Freude, sich zu weiten,
damit der Tag sich in die Tiefe senkt.
Er war das Maß. Er prägte in Gezeiten
den Rhythmus, der euch zur Vollendung drängt.
Und die Geduld der Blütenblätter drückte
jegliche Hast zurück in meine Hand,
als der Gedanke des Gesetzes glückte,
der euch bewegte und der mich gebannt.
Stiefmütterchen
Euch fehlt das Überragende,
der hochgestielte Blick.
Ihr seid bescheiden Fragende
und fügt euch ins Geschick.
Seid dankbar Überdauernde,
wenn Lachen rings verblüht.
Ihr läutert das Erschauernde
zu Trost und Traumgemüt.
Ihr sammelt das Verlorene
im Auge wunderbar.
Ihr seid aus Samt Geborene,
unsterblich lieb, fürwahr.
Sonnenblumen
Es züngeln Blütenflammen an den Rändern.
Die Sonnenfarbe wirkt den Feuerflor.
Wie unter Leselampen, Schirm und Ständern
liest blätternd dann der Abendwind noch vor.
Der Sonne Abglanz seid ihr und der Sterne.
Ihr speichert lachend alle Heiterkeit
und sammelt sie im Mosaik der Kerne.
Auf großem Ziffernblatt läuft eure Zeit,
um zeigerlos den Sommer zu durcheilen. -
Doch schau ich allzulang in eure Glut,
dann deucht die schönste mir zuweilen
wie eine Frau mit großem Sonnenhut.
Schneeglöckchen
Schneeglöckchen läuten schon:
ein erster Frühlingston.
Die Sonnenstrahlen wärmen mich,
und zarte Knospen öffnen sich.
Wie die Natur erwacht ...
fast heimlich über Nacht.
Wünsch mir, du kämst zu mir!
Mohn
Alles reift. Des Feldes Früchte
runden sich auf Halm und Stiel.
Wolken werden wie Gewichte
messingfarben, schwer und schwül.
Doch es leiten ferne Winde
das Geschick in Bett und Bahn:
Abendruhe, Duft der Linde.
Grillen fangen zaghaft an.
Und der Mohn betont das gute
allumfassende Gebot,
wenn im warmen Sonnenblute
Erde, nun dein Antlitz loht.
Tiefe Glut in dem Gedränge
hoher Ährenüberstand,
denn wie Sonnenuntergänge
brennt der Mohn am Wegesrand.
Margeriten
Ihr lacht so hell ins Angesicht.
Ihr seid des Sommers liebstes Licht.
Müßt mit den weißen Blütenspeichen
dem Strahlenrad der Sonne gleichen.
Der leicht gewölbte Perlengrund
ist wie ein Kissen voll und rund.
Dort wollen sich die Stunden weiten
und schon Erlebtes aufbereiten.
Wer lange euch ins Auge blickt,
der ist vor Heiterkeit entzückt,
gewinnt durch euch das Selbstvertrauen,
so klar in diese Welt zu schauen.
Leberblümchen
Als hätt’ ein kleines Kind vor mir gestanden ...
Der Frühling war noch launenhaft und kalt.
Noch fehlten überall die Grüngirlanden,
denn Sonne kam zu selten durch den Wald.
Da fand ich es. - Im dünnen, blauen Kleide
sah es zwar fröstelnd in die Welt,
doch war’s die erste vorgefühlte Freude,
die sich mir zaghaft in den Weg gestellt.
Kornblumen
Dunkelblaue Sterne gehen
unter in dem Ährenfeld.
Kinder suchen und erspähen
in den Blumen ihre Welt.
Möchten in den Händen halten,
was am Himmel nächtlich steht,
daß die Träume sich entfalten,
die von Wünschen ausgesät.
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